Biografie Jeremiah Johnson

Wenn man einen Spaziergang entlang des Mississippis macht und sich in einer Bluesbar in St. Louis niederlässt, wird das Gespräch bald auf den Musiker kommen, der der Stadt ihren Soundtrack gegeben hat. Jeremiah Johnson hat sich seinen guten Ruf hart erarbeitet. Während seiner bereits zwei Jahrzehnte andauernden Karriere, gab es auch immer wieder Kämpfe und Narben – von der Einsamkeit eines Lebens auf Tour ganz zu schweigen. Doch der harte Weg hat ihn als Künstler geprägt und schließlich zu Straitjacket geführt: Das ungeschminkte Meisterwerk bringt es ohne Umwege auf den Punkt. „Dieses Album ist echter amerikanischer Rock ’n‘ Blues mit Südstaaten-Soul“, erzählt Johnson. „Ich schließe einfach meine Augen und fühle, wie die Musik durch mich hindurch fließt...“

Nur wenige sind besser qualifiziert, um Amerikas modernen Melting Pot von Menschen, Kulturen und Musikgenres zu kommentieren. Im autobiographischen „9th & Russel“ erzählt uns der Bandleader, wie er in St. Louis Erfahrungen sammelte und dann sein Handwerk in Houston verfeinerte, wo er drei Jahre in Folge die Regional Blues Challenge gewann. Doch es war die Rückkehr in die Heimat im Jahr 2009, die für ihn den Durchbruch brachte, als er die Bühne der legendären Hammerstone’s Bluesbar betrat und die musikalischen Stile der beiden Städte in seinen einzigartigen Songs verband.

Seitdem hat er 2011 die St Louis Blues Society Challenge gewonnen, viel gerühmte Alben veröffentlicht (darunter auch das 2014 von Devon Allman produzierte Grind und das genreübergreifende Blues Heart Attack von 2016) und stand im Mittelpunkt der Dokumentation „Ride The Blues“, die Johnsons oft steinigen Karriereweg in der Musikszene zeigt. „Lasst mich einfach nur sagen, dass ich meine Erfahrungen mit Drogen und Alkohol gemacht habe“, erzählt er, „und ich brauchte lange, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.“

Auf seinem neuen Album Straitjacket offenbart Johnson nun förmlich seine Seele. Die Produktion übernahm St. Louis‘ Lieblingssohn Mike Zito in dessen texanischen Mars Studios. Die erstklassige Besetzung mit Frank Bauer am Saxophon und Vocals, Benet Schaeffer am Schlagzeug und Tom Maloney am Bass verlangte danach, dass die Songs direkt aufgenommen werden mussten. „Wir wollten ein Live-Gefühl erzeugen“, erklärt Johnson. „Es gibt sicher viele Stellen, an denen ich ein besseres Solo spielen oder an denen ich mich mehr auf die Texte konzentrieren könnte. Doch letztendlich war es so gerade perfekt. Echt, menschlich, lebendig, unvollkommen vollkommen.“

Unbearbeitet und ohne Umschweife präsentiert, beschreiben diese Songs Johnsons Geschichte, Gedanken und Platz in der Welt. Johnson kann ausgelassen sein wie etwa bei dem schnellen, funkig-bluesigen Titelsong, in dem er sich über eine kontrollsüchtige Freundin beklagt, oder bei dem groovigen „Dirty Mind“, in dem es um die nächtlichen Anrufe einer Geliebten geht, die „ein bisschen Gesellschaft“ sucht. An anderer Stelle gibt es aber auch persönliche Momente wie bei „Keep On Sailing“ oder sozialkritische Kommentare wie bei „Believe In America“ und „Old School“. „Bei ‚Keep On Sailing‘ geht es um die Erkenntnis, dass die Leute, die man um sich hat, nur wegen der Drogen und des Alkohols da sind“, erklärt er. „‚Believe In America‘ beschreibt die Geldprobleme der Menschen und eine Regierung, die uns kleinen Leute einfach zurücklässt – aber ich sehe auch Menschen, die immer noch Vertrauen in unser Land haben. ‚Old School‘ ist wahrscheinlich der wichtigste Song auf diesem Album. In meiner Kindheit haben wir uns auch geprügelt. Wir haben unsere Lektion daraus gelernt und sind dann auseinander gegangen“. Heute zieht einer einfach seine Waffe...“

Es mag zwar auch Gewitterwolken auf Straitjacket geben, doch das Album endet mit einem Sonnenstrahl, wenn die Band bei Alvin Lees „Rock & Roll Music To The World“ es hörbar genießt, zusammen zu spielen und die Energie fast greifbar wird. („Wir haben einfach aufgedreht und losgelegt“). Johnson hofft, dass es euch genauso geht: „Ich möchte, dass sich die Leute diese Platte vom Anfang bis zum Ende anhören, bei einer Party richtig aufdrehen und mal so richtig abschalten können, wenn sie mit dem Auto oder der Harley-Davidson durch die Nacht fahren. Ich will, dass die Menschen sich komplett darauf einlassen und dabei ihren Gefühlen freien Lauf lassen.“

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